Sind Hochschulen aus der Zeit gefallen?

Georg Passig berichtet im „Techniktagebuch“ begeistert von einer App, die er kennengelernt hat. Eigentlich geht es aber darum, dass den Hochschulen die Zukunft verboten werde — oder sie sich diese selbst verböten. Zum einen drohe Lehrenden ab 2016 Verwaltungskleinklein durch die VG Wort, wenn sie Studierenden Material anderer Urheber zugänglich machen Zum anderen würde Studierenden verboten, Fotos vom Anschrieb an der Tafel oder von der Projektion an der Wand zu machen. Abschreiben sei angesagt.

Wie seht ihr das? Wird den Hochschulen die Zukunft verboten? Oder müssen wir eigentlich schon von der Gegenwart sprechen? Welchen Anachronismen begegnet ihr in eurer Lehre? Oder ist für euch alles in Ordnung? Lasst es uns doch in den Kommentaren wissen!

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2 Kommentar auf “Sind Hochschulen aus der Zeit gefallen?
  1. Arne Geffert sagt:

    Schwieriges Thema…

    1) Dass das Abfotografieren von einem Dozenten verboten wurde, habe ich auch schon persönlich erlebt. Viele Dozenten meinen, dass man sich durch Abschreiben die Inhalte besser merken kann. In seltenen Fällen (z.B. wenn es darum geht, technisches Zeichnen zu lernen) mag dies auch stimmen. Ansonsten habe ich es genossen, nicht mitschreiben zu müssen. (Was natürlich nicht heißt, dass es besser ist, sich von 100 PowerPoint-Folien pro Stunde berieseln zu lassen. Aber es gibt hier auch andere Wege.)

    2) Das Problem ist hier eher, dass mir das Urheberrecht nicht mehr zeitgemäß zu sein scheint. Die schriftliche Einverständniserklärung des Urhebers wird auch noch an ganz anderer Stelle benötigt: Z.B. wenn Studierende in ihren Arbeiten aus nicht veröffentlichten Quellen direkt zitieren wollen. Bei indirekten Zitaten gilt das Urheberrecht wieder nicht; dafür muss man aus Gründen der Wissenschaftlichkeit zitieren (Vermeidung von Plagiaten).

    3) Dass es eine Meldepflicht bei der VG Wort geben soll, ist mir neu. Wird es hierzu noch eine offizielle Bekanntmachung/Richtlinie geben (z.B. durch die Uni)?

    4) Aus dem Artikel wird mir nicht klar, in welchen Fällen eine Meldepflicht besteht. Sie gilt vermutlich nicht für indirekte Zitate!? Und dann auch für Kleinzitate oder auch für (kleine) Großzitate? Oder gilt sie, wenn man urheberrechtlich geschütztes Material verbreitet? Gilt sie unabhängig von lizenzrechtlichen Bestimmungen (z.B. wenn man eine über Creative Commons freigegebene Grafik in seine Vorlesungsunterlagen einbindet)?

  2. Oliver Tacke sagt:

    Hey, Arne!

    Danke für deine Gedanken! Zu deinen Fragen:

    3) Du findest Hintergründe und Erfahrungen aus dem Pilotprojekt mit Stud.IP im Osnabrücker Abschlussbericht.

    Ich bin mir sicher, dass „die üblichen Verdächtigen“ dazu auch so etwas wie einen Leitfaden entwickeln. Erste Adresse wäre da für mich Till Kreutzer, der beispielsweise regelmäßig sein Werk Rechtsfragen zur digital gestützten Lehre aktualisiert (letzter Stand: März 2015).

    Was dazu wann wie von der TU Braunschweig selbst kommt: keine Ahnung. So etwas wie eine strategische Frühaufklärung für die Lehre ist mir nicht bekannt.

    4) Die Meldepflicht bezieht sich nicht auf das bloße Zitieren nach §51 UrhG (bei Till ab Seite 30). Es geht um das, was unter §52a UrhG fällt (bei Till ab Seite 33).

    Bei Werken unter Creative-Commons-Lizenz ist dir ohnehin das Verbreiten auch ohne Rückgriff auf §52a UrhG gestattet, wenn du die jeweils geltenden Vorgaben berücksichtigst (Namensnennung, ggf. keine Bearbeitung, usw.). Obendrein kümmert sich die VG Wort ja um Texte, nicht um Grafiken.

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