How to write a Hausarbeit

Der Bremer Schreibcoach im Test

writing-828911_1920

Ich bin in meinem vierten Mastersemester und habe mittlerweile wohl so um die fünfzehn wissenschaftliche Arbeiten geschrieben. Gefühlt waren es eher fünfzig. Doch immer noch ist es so, dass ich beim Beginn der nächsten Hausarbeit denke: Jetzt mach ich es mal richtig! Diesmal wird alles besser! Meine Fragestellung wird präzise den Verlauf meiner Arbeit vorgeben und nach ausgiebiger Literaturrecherche werde ich dann einen Fließtext schreiben können, der sowohl einen eindeutigen roten Faden hat als auch eine spannende neue Erkenntnis, wenigstens aber intelligente neue Forschungsfragen, hervorbringt. Es hört sich so einfach an. Der Bremer Schreibcoach verspricht dabei zu helfen, dass es auch einfach wird.

Noch eine Folge The Walking Dead, dann fang ich an…

Zeitdruck, eventuell die ein oder andere Serie, die leider noch zu Ende geschaut werden muss, fehlende Inspiration und Struktur oder einfach ein schlecht gewähltes Thema: ich durfte die verschiedensten Probleme im wissenschaftlichen Schreiben aus erster Hand kennen lernen. Das Problem ist nicht, dass ich nicht weiß, wie die Arbeit im Endprodukt aussehen muss – es sind die kleinen und weniger kleinen Hindernisse und Probleme, die sich immer wieder zwischen mich und meine Tastatur zwängen, die mich von einem angenehmen Schreibprozess abhalten. Und daher kommt der Bremer Schreibcoach mir unglaublich entgegen: er bietet für verschiedenste Situationen und Probleme ganz konkrete Tipps. Alleine schon sein eigenes spezifisches Problem hier dezidiert besprochen zu finden hilft, sich weniger schlecht zu fühlen, wenn es mal an einer Stelle hakt – und unterstützt alleine damit die Motivation, zielgerichteter zu arbeiten.

Warum es sich meiner Meinung nach also nicht nur für Studierende, sondern auch für Lehrende lohnt, den Bremer Schreibcoach zu nutzen? Finden wir es heraus.

Was ist der Bremer Schreibcoach?

Der kostenlose Online-Ratgeber Der Bremer Schreibcoach liefert fachübergreifende step-by-step Anleitungen für den eigenen wissenschaftlichen Schreibprozess.

Mehr als 300 sogenannte „Textmodule“, die jeweils ein Stück des Schreibprozesses mit Tipps und Anleitung unterstützen, sollen die eigene Arbeit entweder vorbereiten, begleiten oder aus einer ausweglosen Situation retten. Dabei ist der Aufbau des Coaches an den Phasen des Schreibprojekts orientiert. Wenn man zum ersten Mal mit der Seite arbeitet, ist die Ansieht über den Reiter „Neueinstieg“ zu empfehlen: Hier kann anhand der eigenen Ausgangssituation geschaut werden, welches Modul gerade am passendsten ist. So könnte das aussehen: „Ich stecke bei einer Schreibaufgabe völlig fest und brauche Hilfe, um aus der Blockade rauszukommen“ (diese Situation kenne ich aus eigener Erfahrung natürlich absolut gar nicht und führe sie ausschließlich als gänzlich unabhängiges Beispiel an). Kennt man den Schreibcoach aber bereits, kann auch direkt über „Wiedereinstieg“ eine übersichtliche Auflistung der insgesamt sieben Phasen eingesehen werden. Diese decken vom Vorbereiten über das Formulieren bis hin zum Gestalten der wissenschaftlichen Arbeit alles ab.

Wer steckt dahinter und für wen ist er gedacht?

Der Schreibcoach wurde am Lehrstuhl für Angewandte Linguistik der Universität Bremen unter der Projektleitung von Prof. Dr. Hans Krings entwickelt. Auch in Buchform ist er erschienen, diese ist jedoch derzeit vergriffen.
Zielgruppe sind laut der Website des Schreibcoaches Studierende, die vor Semester- oder Abschlussarbeiten stehen, SchülerInnen, die die erste Facharbeit in der Schule schreiben, oder auch Promovierende. Meine eigene Einschätzung ist, dass mir der Coach schon in der Schule geholfen hätte und dass ich ihn sicherlich auch für die Abschlussarbeit nutzen werde.

Aber ist er auch für Lehrende interessant?

Um Studierende bei der Anfertigung von Haus- und Abschlussarbeiten noch besser unterstützen zu können ist es hilfreich, den Schreibprozess von vielen Seiten aus zu verstehen. Hier zeigt der Schreibcoach die Phasen des Prozesses und die dabei möglichen Blockaden oder Fragen auf, welche die Studierenden selbst eventuell gar nicht formulieren können oder die der bzw. die Prüfende selbst noch nicht (mit)erlebt hat und daher übersieht.

Auch kann der Bremer Schreibcoach den Studierenden direkt empfohlen werden oder – wenn wieder erhältlich – ihnen das Buch nahegelegt oder dieses sogar für die eigene Institutsbibliothek angeschafft werden.

Mein Fazit: Prädikat wertvoll!

Ich beginne mit dem einzigen negativen Punkt, der Ordnungsmenschen wie mich aber durchaus stören kann: Der Schreibcoach öffnet die einzelnen kleinen Module nicht in einem neuen Tab. Das bedeutet, dass man den Überblick verlieren könnte, wenn man später noch einmal zu seinem Ausgangspunkt zurückkehren möchte.

Die positiven Aspekte überwiegen jedoch, wie bereits im Laufe des Beitrages hier erkennbar wurde. Die verschiedensten Tipps helfen sehr kleinteilig bei der Lösung von individuellen Problemen. Auch, wenn einem selbst noch gar nicht eindeutig klar ist, warum es gerade einfach nicht funktioniert mit dem Schreiben, kann der Coach hilfreich sein: Er schlägt eine Vielzahl an Szenarien vor, sodass sich viele darin wiederfinden werden. Auch für Dozierende, die wissenschaftliche Schreibprojekte begleiten, ist der Bremer Schreibcoach eine interessante Ressource, die nicht nur als Empfehlung weitergegeben werden kann, sondern auch in der Betreuung von studentischen Arbeiten eine neue Herangehensweise bietet.

 

Erzählen Sie gerne in den Kommentaren über Ihre Erfahrung mit dem Bremer Schreibcoach. Oder haben Sie bereits gute Ergebnisse mit anderen (Online-) Hilfsmitteln oder Strategien für das Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten erzielen können?

 

Quelle: Krings, Hans P. / Holz, Peter / Siekmeyer, Anne (2011): Der Bremer Schreibcoach (www.bremer-schreibcoach.uni-bremen.de).

2 Kommentar auf “How to write a Hausarbeit
  1. Oliver Tacke sagt:

    Ich weiß zwar nicht, warum man Totholz bestellen sollte, wenn es die (wesentlichen?) Inhalte auch online gibt und man damit gezielt sein Anliegen bearbeiten kann — oder warum du nicht einfach über die rechte Maustaste einen neuen Tab öffnest 😉 — aber: schöne Empfehlung!

  2. Arne Geffert sagt:

    In meinem Studium wurde das Buch „Technische Berichte“ von Hering und Hering empfohlen, das ich irgendwann durchgearbeitet habe. Das hat mir sehr genützt!

    Außerdem habe ich mal einen Kurs an der UB zum wissenschaftlichen Arbeiten belegt. Auch dies war hilfreich!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ihr Kommentar erscheint gegebenenfalls erst nach Freigabe durch den/die InhaberIn dieses Portfolios.

*