Flipped Classroom

Kurzbeschreibung

grosse_gruppenDer dominierende Ansatz von Lehrveranstaltungen, speziell Vorlesungen mit Vortragscharakter, sieht folgendermaßen aus: In der Präsenzzeit wird Studierenden neuer Stoff vorgestellt, den sie hinterher selbständig nachbearbeiten und vertiefen sollen. Dieses Vorgehen hat mehrere Nachteile, insbesondere:

  • sandwich_111Das Tempo in der Veranstaltung ist für einige zu langsam, für andere wiederum zu schnell.
  • In der nachgelagerten Phase, wo es um das oft schwierigere Vertiefen geht, fehlt ein Experte als Ansprechperson.

Diese Probleme versucht das Konzept des Flipped Classroom (auch Inverted Classroom) durch Umdrehen des Prinzips zu begegnen. Studierende eignen sich Inhalte selbständig vor einem Präsenztermin an, der im Gegenzug zur intensiveren Auseinandersetzung mit dem Stoff genutzt werden kann. Die Idee entspricht also dem, wie Seminare in den Geisteswissenschaften idealtypisch ablaufen. Speziell durch den Einsatz von Videos zur Vorbereitung ist der Flipped Classroom jedoch auch in andere Disziplinen eingezogen.

Ziele

  • Wertvolle Präsenzzeit für den Austausch und individuellere Hilfe nutzen statt zur Einwegkommunikation
  • Lernende gezielter unterstützen können
  • Eigenverantwortung im Studium verdeutlichen

Vorgehen

Der/die Lehrende sollte zu Beginn des Semesters das Konzept vorstellen, die Idee dahinter erklären und auch seine/ihre eigene Rolle vorstellen. Insbesondere muss verdeutlicht werden, dass Inhalte an Präsenzterminen nicht nochmals vorgestellt werden. Das folgende Video liefert dafür ein Beispiel (leider mit mäßiger Bild- und Tonqualität).

Die Studierenden erfahren das Ziel der jeweiligen Videos und schauen sie sich vor einem Präsenztermin an, je nach Bedarf mehrfach. Sie sollten zur Begleitung Aufgaben erhalten, die sie zusätzlich bearbeiten können. Dadurch kann einem bloßen „Konsum“ der Videos vorgebeugt werden.

In der Präsenzphase kann die Lehrperson gezielt auf Fragen eingehen, die sich den Studierenden in der Selbstlernphase gestellt haben. Ebenso können in der Präsenzphase unterschiedlichste Aufgaben und Methoden zum Einsatz kommen, um die Inhalte zu vertiefen.

Hinweise

  • Es geht nicht darum, über die Videos mehr Stoff im Semester unterzubringen! Die vorgesehene Zeit für einen Kurs wird lediglich anders verteilt genutzt.
  • Es sollte versucht werden, Videos in Sinneinheiten zu gliedern, die jeweils etwa 20 Minuten lang sind.
  • Es ist sinnvoll, Videos nicht nur zum Streamen oder Download anzubieten, sondern für alle Fälle auch als Kopie zur Verfügung zu stellen (etwa auf einer Blu-ray Disc).
  • Es müssen keine aufwändig produzierten Videos genutzt werden. Auch Aufzeichnungen einer „normalen“ Vorlesung sind möglich, gegebenenfalls auch nur als „vertonter Tabletanschrieb“. Ebenso kann auch auf zugängliche Videos anderer Lehrpersonen zurückgegriffen werden.

Weitere Praxishinweise gibt es in dem folgenden Video:

Varianten

  • Studierende erhalten zusätzlich zu den Videos Aufgaben, mit denen Sie ihr Verständnis selbst testen können. Stehen die Antworten zu diesen Aufgaben aggregiert der Lehrperson zur Verfügung, kann sie bereits vor der Präsenzphase abschätzen, welche Aspekte noch besonders bearbeitet werden müssen (vgl. HAITI bzw. Just-in-Time Teaching).
  • Im Flipped Mastery Model gibt es keinen Gleichtakt innerhalb der Kurse mehr. Studierende bekommen jegliches Material zu Beginn. Sie können für das gesamte Semester ihr Tempo selbst bestimmen. In der Präsenzphase arbeiten sie je nach Fortschritt in wechselnden Gruppen an Aufgaben und Problemen und werden dabei von der Lehrperson beraten und begleitet.

Rahmenbedingungen

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  • Gruppengröße: je nach im Konzept eingebetteten Methoden
  • Räumlichkeit: je nach im Konzept eingebetteten Methoden
  • Vorbereitungszeit: Je nach Komplexität der Problemstellung, wenn Wert auf eigenständig produzierte Videos gelegt wird, je nach Gestaltungsansprüchen sogar mehrere Wochen
  • Durchführungszeit: die Zeit der Präsenzphase
  • Videos, Texte, usw.
  • idealerweise Begleitmaterial zum Bearbeiten der Inhalte
  • gegebenenfalls Aufgaben zum Selbsttesten

Links und Literatur

  • Handke, J. & Sperl, A. (2012) (Hrsg.). Das Inverted Classroom Model: Begleitband zur ersten deutschen ICM-Konferenz. München: Oldenbourg.
  • Handke, J., Kiesler, N. & Wiemeyer, L. (2013) (Hrsg.): The Inverted Classroom Model: The 2nd German ICM-Conference – Proceedings. München: Oldenbourg.
  • Persike, M. (2015): Inverted Classroom unter der Lupe (Vortragsaufzeichnung zu einer empirischen Untersuchung des Konzepts)
  • Spannagel, C. (2012): Input out: Die umgedrehte Mathematikvorlesung (Vortragsaufzeichnung als Einführung in das Konzept, zugehörige Schaubilder)

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2 Pings/Trackbacks für "Flipped Classroom"
  1. […] Präsenzzeit kann dann sinnvoller genutzt werden als in einem mittelalterlichen Skriptorium. Flipped Classroom. Kennt […]

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