Blogs? Nein danke!

Welche Rolle spielen Online-Werkzeuge und Social-Media-Anwendungen im Arbeitsalltag von WissenschaftlerInnen? Dieser Frage geht jährlich der „Science 2.0-Survey“ nach. Hinter der Studie steckt der Leibniz-Forschungsverbund „Science 2.0“, der die Digitalisierung in der Wissenschaft und ihre Auswirkungen auf die Wissenschaftskultur untersucht. Bereits seit einigen Monaten liegen die Ergebnisse der 2014er-Studie1 vor, und weil ja auch unsere E-Portfolios Social Media sind, die zudem unzweifelhaft von WissenschaftlerInnen genutzt werden, lohnt sich natürlich auch jetzt noch ein Blick in den Bericht.

Technisch gesehen sind unsere E-Portfolios ja Blogs – und als solche zählen sie zu den drei von WissenschaftlerInnen am wenigsten genutzten Werkzeugen/Anwendungen (von 18 abgefragten)2. Nur 24 % der WissenschaftlerInnen nutzen Blogs im beruflichen Kontext – das wird nur noch unterboten von Microblogs und Social Bookmarking Services3, und wenn man ausschließlich die Nutzung im Bereich Lehre betrachtet, sind’s noch ganze 7,4 %4. Zur Unterstützung der Lehre nutzen WissenschaftlerInnen dagegen vor allem die Wikipedia, Lernmanagementsysteme, Video/Foto-Community-Portale, Online-Archive und Datenbanken sowie Content Sharing und Cloud-Dienste.5 Auch im Bereich Wissenschaftskommunikation sind Weblogs nur für wenige WissenschaftlerInnen von Bedeutung (9 %).6

Blogs werden also von deutlich weniger WissenschaftlerInnen genutzt als andere Social-Media-Anwendungen. Wie aber sieht die Nutzung nun qualitativ aus? Unangefochten an der Spitze liegt hier das Lesen der Blogbeiträge anderer WissenschaftlerInnen (94,8 %). Selbst etwas schreiben liegt weniger im Trend, egal ob es dabei um Kommentare in fremden Blogs (18,8 %) oder um das Verfassen eigener Blogbeiträge geht (25,6 %).7 Von der in Bezug auf Social Media vielzitierten Prosumer-Mentalität, mit der die Verbraucher (engl. consumer) zugleich auch Produzenten (engl. producer) sind, kann hier also kaum die Rede sein. Leider finden sich aufgrund technischer Probleme bei der Programmierung des Fragebogens keine Angaben zur Nutzungsmotivation im Bericht; lediglich die Gründe, die einer beruflichen Nutzung entgegenstehen, konnten ausgewertet werden, und hier steht bei Blogs klar der nicht gesehene Mehrwert an der Spitze (40,4 %).8

Wer sich für weitere Details interessiert, findet in dem Bericht natürlich zahlreiche fach-, status-, alter- und geschlechtsspezifische Auswertungen – und darf selbstverständlich gern alle aufschlussreichen Erkenntnisse, die hier noch nicht erwähnt wurden, in einem Kommentar hinterlassen. Prosumer vor!! 😉


1 Ausgewertet wurden die Angaben von 1.419 WissenschaftlerInnen deutscher Universitäten, Fachhochschulen und Kunst- und Musikhochschulen. Befragt wurden sie zur Nutzung von 18 Online-Werkzeugen für die tägliche Arbeit in Forschung, Lehre, Wissenschaftsadministration und -kommunikation.
2 Vgl. S. 14.
3 9 % bzw. 5 %, vgl. S. 15/16.
4 Vgl. S. 24.
5 26 % – 57 %, vgl. S. 30.
6 Vgl. S. 31.
7 Vgl. S. 40.
8 Vgl. S. 35.

Ein Kommentar auf “Blogs? Nein danke!
  1. Oliver Tacke sagt:

    Einen gewichtigen Grund für das geringe Produzententum unter WissenschaftlerInnen (jenseits von Fachartikeln) sehe ich in der vorherrschenden Wissenschaftskultur. Wo WissenschaftlerInnen befürchten müssen, sich mit Medienpräsenz selbst zu schaden — und dann auch noch eher zaghaft denn mutig sind — wo Anerkennung und Drittmittel vor Wahrheitsstreben und Erkenntnisinteresse treten — und aus Wissenschaft ein Wissenschaftsbetrieb wird — da wirkt dann so etwas wie Bloggen als „Zeitverschwendung“.

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