Lesestoff gefällig?

Für alle BesucherInnen dieses Portals, die nicht ausschließlich am Projekt teach4TU bzw. an den rund um das Projekt entstehenden E-Portfolios interessiert sind, stellen wir hier künftig in loser Reihenfolge Publikationen vor, die sich dem Thema E-Portfolio widmen und in denen aus unserer Sicht interessante Perspektiven eingenommen, neue Aspekte angesprochen, provokante Thesen aufgestellt und/oder aufschlussreiche Ergebnisse diskutiert werden – kurzum: Publikationen, die wir für lesenswert halten. 🙂

E-Portfolios an der Schnittstelle zwischen Studium und Beruf

E-Portfolio an der Schnittstelle zwischen Studium und Beruf

Den Anfang macht der vor wenigen Wochen erschienene Sammelband „E-Portfolio an der Schnittstelle von Studium und Beruf“, in dessen rund 30 Artikeln „Konzepte und Erfahrungen im Umgang mit E-Portfolios an Hochschulen sowie beim Übergang vom Studium in die Berufstätigkeit“ (Klappentext) aus verschiedenen Blickwinkeln thematisiert werden. Drei Beiträge, die wir besonders interessant finden, möchten wir kurz vorstellen.

E-Portfolios und persönliches Wissensmanagement

Gabi Reinmann und Silvia Hartung beschäftigen sich in ihrem Artikel „E-Portfolios und persönliches Wissensmanagement“ (S. 43-59) mit der spannenden Frage, welche Potenziale E-Portfolios für die eigene Berufstätigkeit bergen können. Sie blicken speziell auf Wissensarbeiter, die ihr Geld zumeist damit verdienen, dass sie über oft neuartige Problemfälle nachdenken und Lösungen dafür entwickeln: Architekten, Rechtsanwälte, Ärzte – und auch Lehrende. Damit dies gelingt, seien verschiedene Abläufe nötig. Wissenarbeiter nähmen beispielsweise Wissen aus ihrer Umwelt auf: Sie hören anderen Menschen zu, sie lesen Texte oder schauen Videos. Daraus und durch geistige Arbeit erschüfen sie für sich neues Wissen und integrieren es in ihren Erfahrungsschatz. Der Austausch von Wissen funktioniere jedoch ebenso in Gegenrichtung, indem Menschen anderen ihre Gedanken mitteilen, Artikel schreiben oder Podcasts erstellen. Der bewusste Umgang mit dem Zusammenspiel dieser Vorgänge sei persönliches Wissensmanagement.

In E-Portfolios sehen Reinmann und Hartung ein mögliches Instrument, um den eigenen Wissensweg auf lange Sicht zu planen und zu dokumentieren. Eigene Fähigkeiten könnten (für sich selbst) sichtbar gemacht werden, um sie zu bewerten, über sie nachzudenken, Chancen zur Erweiterung auszuloten und sich entsprechende Ziele zu setzen. Die dahinter verborgenen Potenziale für die eigene Berufstätigkeit überhaupt erst einmal zu erkennen, sei ein entscheidender Punkt für den Einstieg in die E-Portfolio-Arbeit. Dann den systematischen und verantwortungsbewussten Umgang mit seinem Wissen zu lernen, sei ein bedeutsamer und langfristiger Prozess. Die Flinte sollte daher nicht zu schnell ins Korn geworfen werden, wenn der Nutzen nicht unmittelbar deutlich wird.

Lerntagebuch schreiben mit Weblogs

Eher praktisch geht Dominik Petko an das Thema E-Portfolios heran und beschreibt in seinem Artikel „Lerntagebuch schreiben mit Weblogs“ (S. 206-214), wie das Projekt lerntagebuch.ch von didaktischen Überlegungen zur technischen Umsetzung einer Plattform gelangte. Lerntagebücher seien ein bewährtes Mittel, um ein Nachdenken über Lerninhalte, -prozesse und -strategien anzustoßen. Sie seien jedoch etwas anderes als ein Portfolio, das eher die Produkte des Lernens und gewonnene Fähigkeiten darstellt. Bei Lerntagebüchern sei vielmehr die Dokumentation des Weges dorthin mit all seinen Umwegen und Sackgassen.

Für Petko liegt es nahe, dafür Blogs zu verwenden – es sei schließlich eine ihrer Kernfunktionen, tagebuchartige Einträge zu verfassen. Wertvoll seien aber auch andere Möglichkeiten, etwa das Einbinden von Bildern oder Videos oder die Vernetzung mit anderen Blogs und die Verlinkung auf andere Internetseiten. Interessanterweise verfolgt das Projekt lerntagebuch.ch technisch einen sehr ähnlichen Ansatz wie auch unsere Plattform: Es nutzt die Software WordPress in Verbindung mit BuddyPress, deren Bedienung ebenfalls vereinfacht und angepasst wurde, beispielsweise mit Blick auf die Privatheit von einzelnen Beiträgen.

Teaching Portfolio

Der dritte hier kurz vorgestellte Artikel „Teaching Portfolio“ (S. 245-264) von Benno Volk, Anja Pawelleck und Pamela Alean-Kirkpatrick dreht sich schließlich um unser Kerngeschäft: den Einsatz von E-Portfolios in der hochschuldidaktischen Weiterbildung von Lehrpersonen.

Teaching Portfolios sind „individuell zu gestaltende Formen der Darstellung von eigenen Erfahrungen mit bestimmten Lehrhandlungen, eingesetzten Unterrichtsstrategien und persönlichen Grundsätzen. Die Lehrperson reflektiert zudem die eigene Rolle bei der didaktisch-methodischen Planung und Umsetzung von Unterrichtsinhalten. Angaben zur beruflichen Entwicklung sowie die angestrebten persönlichen Ziele gehören ebenfalls in das Teaching Portfolio. Die Inhalte werden durch ausgewählte Dokumente, wie z.B. Erfahrungsberichte, Situationsanalysen, aber auch durch Feedback von Kolleg/inn/en oder Evaluationsergebnisse belegt und verdeutlicht.“ (S. 246)

Die AutorInnen sehen neben der persönlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Lehre weitere Zielsetzungen, die ein Teaching Portfolio (oder Lehrportfolio) erfüllt. Vorgesetzte könnten ein umfassendes Bild der Lehrtätigkeit vermitteln, das sonst nicht immer ersichtlich werde. Lehrende könnten darüber hinaus die Qualität ihrer Leistungen darstellen, was speziell dann an Bedeutung gewinnt, wenn sie sich auf eine neue Stelle bewerben. Schließlich sei es möglich, das eigene Lehrkonzept oder die eigene Lehrphilosophie zu beschreiben und über das Portfolio mit Studierenden zu kommunizieren. Dies sei besonders dann sinnvoll, wenn neue Lehr- und Lernformen eingeführt werden sollen, die bei Studierenden zu Unsicherheit oder Verwirrung führen könnten. Im weiteren werden in dem Beitrag Vorschläge unterbreitet, wie ein Portfolio strukturiert sein könnte, welche Inhalte sich anbieten und wie sie aufbereitet sein sollten.

Miller, Damian; Volk, Benno (Hrsg.) (2013): E-Portfolio an der Schnittstelle von Studium und Beruf, Münster: Waxmann.

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