Gedanken zum Beitrag „Bloggen als Wissenschaftler — am besten nicht mal in der Freizeit“

Der gelernte Astronom Florian Freistetter hat sich kürzlich damit beschäftigt, wie das Leben von (Nachwuchs-)wissenschaftlerInnen oft aussieht und was das für’s Bloggen bedeutet: Nichts Gutes! Er argumentiert, die Sorgen vieler Universitäten kreisten sehr stark um die Außenwirkung. Es dürfe keinesfalls der Anschein erweckt werden, WissenschaftlerInnen würden nicht alle ihre Zeit in die Forschung investieren. Tatsächlich berichtet er von einem Beispiel, bei dem ein Antrag auf Forschungförderung aus eben diesem Grund abgelehnt wurde. Dem Antragsteller wurde ein hervorragendes Zeugnis ausgestellt, aber könne nicht gefördert werden, weil er blogge und damit „Zeit verschwende“. Dabei würde es nicht einmal eine Rolle spielen, ob die Beiträge in der Arbeitszeit oder Freizeit entständen. Jederzeit scheinen WissenschaftlerInnen für die Forschung da sein zu müssen.

Seine Forschung für andere zu öffnen, wird von einigen (bis vielen?) als Vergeudung von Ressourcen angesehen. Der Nutzen liegt auch gar nicht unmittelbar auf der Hand, erschließt sich womöglich erst auf längere Sicht und vielleicht tatsächlich gar nicht. Es lassen sich aber viele Argumente ins Feld führen, die eher dafür sprechen:

  • Man durchdenkt seine eigene Arbeit anders, wenn man sie für sich oder andere verschriftlicht. Probleme können dabei viel klarer werden, was der Lösungsfindung dient.
  • Man kann Aufmerksamkeit für die eigene Arbeit schaffen, die man anders gar nicht erhielte. Das schafft etwa Gelegenheiten, sich mit anderen Menschen über das Thema auszutauschen. Davon kann auch die eigene Forschung profitieren!
  • Man kann sich gegebenenfalls von Vorgesetzten emanzipieren, die sich – machen wir niemandem etwas vor – mitunter tatsächlich mit fremden Federn schmücken, nämlich mit denen ihrer MitarbeiterInnen.

Warum beschäftigt uns das? Was hat das mit Lehrportfolios zu tun? Die Situation ist vergleichbar. Zusätzlich zu den persönlichen Bedenken, die man vielleicht dem Führen eines Lehrportfolios gegenüber hegt, legen womöglich Andere Steine in den Weg. Vermuten wissenschaftliche MitarbeiterInnen für sich womöglich einen Nutzen, aber ihre Vorgesetzten sehen bloß vergeudete Zeit? Sehen ProfessorInnen Potenziale für sich und ihre Lehre, aber die Uni setzt bloß Anreize zum Schreiben von Drittmittelanträgen? Welche von außen auferlegten Bedingungen sorgen dafür, dass Lehrende kein Lehrportfolio führen? Damit können auch wir uns noch ausführlicher auf unserer Seite zu Herausforderungen beschäftigen. Wenn ihr uns dabei unterstützen möchtet, haltet doch eure Gedanken als Kommentar fest.

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