Begriffsverständnis

Als Portfolios wurden und werden schon seit langem Bewerbungs- und Ausstellungsmappen von Künstlern, Fotografen, Designern oder Architekten bezeichnet, und auch im Finanzwesen ist die Verwendung des Begriffs für Aufstellungen über Wertpapierbestände bzw. deren gezielte Mischung gebräuchlich. Der Begriff Portfolio ist abgeleitet vom italienischen Nomen portafoglio, das sich aus portare (tragen) und foglio (Blatt) zusammensetzt. Als Portfolio wird somit wörtlich genommen ein Behältnis bezeichnet, in dem „Blätter“ aufbewahrt werden können und das „mitgenommen/-getragen“ werden kann.

Im Bildungsbereich ist zwar erst seit vergleichsweise kurzer Zeit die Rede von Portfolios, doch werden quer durch nahezu alle Bildungsinstitutionen z. T. große Erwartungen an die Portfolionutzung geknüpft. Ein Portfolio ist im Bildungskontext ein persönliches Reflexionsmedium. Es dient der Inhaberin/dem Inhaber dazu, individuelle Erfahrungen, Fähigkeiten, Fortschritte und Leistungen anhand festgehaltener Gedanken und ausgewählter, vorrangig selbst erstellter Produkte zielgerichtet zu dokumentieren und zu reflektieren sowie ggf. adressatenorientiert zu präsentieren und darüber in Austausch mit anderen zu treten.

Werden bei der Erstellung, Verwaltung und Präsentation von Portfolios digitale Medien genutzt, spricht man von „elektronischen Portfolios“, kurz E-Portfolios. Diese bieten verschiedene Vorteile gegenüber Portfolios in Papierform, z. B. unterschiedlichste Darstellungsformen, vereinfachtes Sammeln, Durchsuchen und Ordnen von Inhalten sowie inhaltliche und soziale Verknüpfungsmöglichkeiten durch Kommentare, Schlagwortsammlungen oder Gruppenfunktionen.

Ist die Inhaberin/der Inhaber eines (E-)Portfolios in der Lehre tätig und nutzt sie/er es dazu, Gedanken und Produkte aus der Lehrpraxis und/oder aus hochschuldidaktischen Weiterbildungsangeboten festzuhalten, wird es im Allgemeinen als (E-)Lehrportfolio bezeichnet. Lehrportfolios dienen unterschiedlichen Zwecken, z. B.

  • der Selbsteinschätzung,
  • dem Nachweis von Lehrkompetenz,
  • der Präsentation beruflichen Handelns,
  • dem Austausch über Stellenwert/Erfolg/Qualität o.Ä. universitärer Lehre,
  • der Qualitätsentwicklung der Lehre oder
  • der Veränderung der Lehr-Lern-Kultur

(vgl. Häcker 2005; Häcker 2007, S. 121 ff.; Hornung-Prähauser et al. 2007, S. 13 ff.; Schaffert et al. 2007, S. 79 ff.; Szczyrba 2009, S. 161 ff.; Wagner 2012, S. 193 ff.).

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