Kollegiales Austauschtreffen „Textarbeit mit Studierenden“ – Erfahrungen

Inzwischen sind beide Treffen zum Austausch über die Arbeit an und mit Texten im Seminar gelaufen.

Teilgenommen haben an den zwei Treffen insgesamt  10 Lehrende, wobei 3 (inklusive mir) zweimal dabei waren. 7 Lehrende haben also insgesamt diesen Austausch mitgestaltet.

Interessant war der völlig unterschiedliche Verlauf der beiden Runden und dadurch an beiden Terminen unterschiedliche Impulse für die eigene Lehre. Es zeigte sich allerdings, dass 1,5h wirklich nur ein Impuls sein können und einzelne Aspekte tiefergehend zu bearbeiten, nicht möglich ist. Die KollegenInnen waren sehr engagiert in der Diskussion. Es schien für mich so, dass es tatsächlich allen darum ging, Neues zu hören und für seine eigene Lehre zu prüfen und nicht als Raum zur reinen Selbstdarstellung genutzt wurde. Überrascht war ich zum Ende über den vielfach ausgesprochenen Dank für die Organisation und Initiative zu dieser Veranstaltung.

Im ersten Treffen wurden vor allem methodisch-didaktische Aspekte diskutiert, die die Motivation der Studierenden steigern sollten oder ihnen Hilfestellungen zur Aufnahme von Texten geben.

Für mich interessante Ideen/Methödchen zur Steigerung der Lese-Motivation / zur Motivation der Studierenden sich mit Texten intensiv zu beschäftigen:

  1. Das Seminar mit einer Selbstreflexion zum Text beginnen (max. 5min, jeder schriftlich): a) Was ist für mich der Kerngedanke des Textes?, b) Welche Fragen habe ich dazu?, c) Was habe ich nicht verstanden?
  2. Präsentationen zu Textinhalten in Kleingruppen erarbeiten lassen; die Präsentierenden werden durch witzige Loskärtchen (von Iris Höltje) innerhalb der Gruppe ermittelt.
  3. Studierende unterschiedliche Texte lesen lassen und dann als Gruppenpuzzle arbeiten. Wichtig: Die Lektüre geschieht zu Hause und der Dozent horcht während der 2. Phase in die Gruppen. 1. Die Gruppen mit gleichen Texten vergewissen sich nochmals gemeinsam über die Inhalte und machen sich fit für die Aufgabe/ werden Experten. 2. Die Gruppen werden gemischt und die Inhalte durch die Studierenden weitergetragen. 3. Plenum: Gemeinsame Diskussion, Erörterung usw. SOWIE Richtigstellung evtl. falsch weitergetragener Informationen.

 

Für mich gute Ideen/Vorgehensweisen Hilfestellung zur Aufnahme von Texten zu geben:

  1. Den Studierenden zur Aufmerksamkeitssteuerung im Vorfeld Fragen zum Text geben.
  2. Den Studierenden nicht nur Fragen zum Text geben, sondern ein etwas umfassenderes Arbeitsblatt zur Verfügung stellen. Z.B. mit folgenden Inhalten: a) Zusammenfassung schriftlich formulieren, b) eigenen fünf wichtigsten Aspekte formulieren, c) eine Art Transferaufgabe, die inhaltlich passend wäre. Das Arbeitsblatt kann abgegeben werden und wird vom Dozenten kommentiert.
  3. Für Inhalte, bei denen es nicht auf den Text, sondern auf den Sachverhalt ankommt, einfach eigene Texte aus verschiedenen Texten zusammenstellen. Aus den verschiedenen Texten werden die besten Passagen zusammenkopiert, umformuliert, gekürzt und auf den Punkt gebracht evtl. auch mit konträren Positionen. Der Text verweist auf die verwendete Literatur und man kann dazu schreiben „stark verändert und gekürzt“. Es entsteht eine Art Reader.

Zwei Dinge, die ich selbst eingesetzt habe und im Treffen vorgestellt habe:

  1. Eine Lesepartnerschaft vereinbaren lassen. Die Studierenden suchen sich jemanden, mit dem sie sich vorstellen können gemeinsam an dem zu lesenden Text zu arbeiten. Dann handeln sie gemeinsam aus, wie sie die Lesepartnerschaft ausgestalten wollen (von „sich treffen, den Text gemeinsam lesen, die Fragen gemeinsam beantworten“ bis „vorm Seminar kurz über Text sprechen“ war alles möglich).
  2. Eine Einheit zu Lesetechniken anbieten.

 

Im zweiten Treffen ging es eher um strukturelle Dinge, vor allem blieben wir bei der Frage hängen, welche unterschiedlichen Zielstellungen verfolgen wir, wenn wir Texte ins Seminar einbringen?

Eine erste Kategorisierung wie wir KollegenInnen Texte in der Lehre einsetzen, habe ich für mich wie folgt herausgehört:

  • Texte können als Übermittler von Inhalten dienen, die zu lernen sind.
  • Texte können eingesetzt werden, wenn ein Diskurs zu einem Thema erarbeitet werden soll.
  • Texte können als inhaltliche Impulse dienen, ein eigenes Projekt zu entwickeln.
  • Texte können eingesetzt werden, um die Textkompetenz der Studierenden zu steigern.

Jede Zielstellung hat Auswirkungen auf die Auswahl der Texte und auf eine angemessene methodisch-didaktische Umgangsweise damit. Ich verwende Texte in meinem Methodenseminar anders als in meinem Seminar zu Lehr-Lerntheorien. An diesem Punkt geht es für mich weiter, mir bewusster zu machen, wie ich Texte einsetze und was das dann für die konkrete Umsetzung im Seminar heißt.

Wie gehst Du im Seminar mit Texten um und welche Methoden verwendest du, es Studierenden leicht(er) zu machen?

 

 

4 Kommentar auf “Kollegiales Austauschtreffen „Textarbeit mit Studierenden“ – Erfahrungen
  1. Oliver Tacke sagt:

    Prima Beispiele, wie es eben besser geht als bloß „Lesen Sie zum nächsten Termin Seite X-Y.“ zu sagen und sich dann zu wundern, dass das niemand(TM) macht.

    Ich fand zu diesem Thema (und anderen) das Buch Teaching Naked — How Moving Technology Out of Your College Classroom Will Improve Student Learning sehr hilfreich. Kapitel 6 widmet sich der Frage, welche Strukturen und Angebote (über Technik hinaus) Engagement begünstigen.

  2. Malgorzata Karpinska sagt:

    Sehr interessant, besonders hilfreich scheint mir die Idee mit dem Arbeitsblatt und der Lesepartnerschaft. Thomas Czerwionka hat für unsere Workshops mit Lehrenden ein Handout mit Lesemethoden erstellt. Diese zwei Ideen finde ich eine gute Ergänzung dazu.

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