menschliches Domino!

Der Workshop Hörsaalspiele von Christian Spannagel und Kristina Lucius hat mich angeregt mit den Studierenden Domino zu spielen.

Ich habe das Domino-Spiel in der ersten Veranstaltung meines Seminars zur „Vertiefung empirischer Forschungsmethoden“ eingesetzt. Es ging also schon ein Grundlagenseminar voraus und ich wollte inhaltlich an das vorhergehende Semester anknüpfen.

Die Domino-Steine habe ich auf A4 Papier ausgedruckt (für zwei Gruppen: einmal rot, einmal grün). Weil es aus ihrer Sicht besser aussah, hat eine stud. Hilfskraft sie laminiert…“was für eine Verschwendung“ war mein erster Gedanke. Dann fand ich es optisch und haptisch toll, es war sowieso nicht mehr zu ändern.

Hier die einzelnen Domino-Paare (der erste Stein hat die Aufschrift „Start – Wissenschaft…“, der zweite „bemüht sich den … – Empirische Forschung“, und so weiter…)

 

Begriff Erläuterung
Start
Wissenschaft … …bemüht sich den Wahrheitsgehalt von Annahmen systematisch zu prüfen und Fehlerquellen durch systematisches und methodisch adäquates Vorgehen auszuschließen.
Empirische Forschung … …ist eine auf Erfahrung beruhende, methodisch adäquate und systematische Suche nach Erkenntnissen über die Welt, deren systematische Dokumentation und Veröffentlichung.
Die soziale Welt… … gründet sich auf dem interaktiven Handeln der Subjekte, ist sinnhaft strukturiert für Einzelne und Kollektive, tritt uns verdichtet gegenüber und ist geschichtlich und komplex.
Das Vorfinden von Komplexität erfordert … eine Reduktion durch den Forscher, damit die soziale Wirklichkeit zum einen wahrnehmbar, zum anderen untersuchbar und darstellbar wird.
Am Anfang eines empirischen Forschungsprozesses … … steht das Problem oder die Fragestellung, die einen umtreibt.
Mit dem Erstellen des Forschungsdesigns… …legt man seine grundlegende Forschungsstrategie fest (Art der Stichprobe, Anzahl der Messzeitpunkte, Eingriff vs. Kein Eingriff in die Wirklichkeit)
Die Datenerhebung … … ist der dritte Schritt im Forschungsprozess und kann z.B. beobachtend, befragend oder testend verlaufen.
Der Datenauswertung … …geht die Aufbereitung der Daten voraus (z.B. eine Transkription oder die Eingabe in ein Auswertungsprogramm) und verläuft je nach Forschungsziel und Forschungsdesign nach unterschiedlichen Methoden.
Eine Hypothese…
  • Ist eine Aussage, die einen Zusammenhang zwischen mind. zwei Sachverhalten postuliert.
  • Ist eine vermutete, wohlbegründete Antwort auf eine Forschungsfrage.
Bei der Deduktion… …schließt man vom Allgemeinen auf den speziellen Fall.
Bei der Induktion… …schließt man vom speziellen Fall auf das Allgemeine.
Eine von vielen Methoden der Datenerhebung… …ist das Interview, um das es in diesem Seminar gehen wird!
Ende

 

Drei Tipps zur Erläuterung des Spiel:

1) Wenn man möchte, dass sich die Studierenden noch miteinander über die Inhalte ihrer Dominosteine unterhalten oder möchte, dass sie sich in einer Reihe mit ihrem „Stein“ aufstellen, dann muss man ihnen das unbedingt sagen. Irgendwann fingen die Studierenden bei mir an, die „Steine“ auf die Tische zu legen.

2) Um potentieller anfänglicher Hilflosigkeit der Studierenden entgegenzuwirken, scheint es mir sinnvoll, eingangs zu erwähnen, die Schilder offen vor dem Körper zu tragen, so dass alle Anderen es lesen können. Ich sagte das nicht, und zunächst haben die Studierenden wenig miteinander interagiert, irgendwann standen sie im Kreis und hielten ihre Schilder in die Mitte. Die andere Gruppe versuchte es die gesamte Zeit in einer Reihe. Es wirkte teilweise konfus.

3) Ängste, die die Studierenden haben könnten, weil sie befürchten, nicht genügend bspw. aus dem letzten Semester behalten zu haben, habe ich versucht eingangs zu vermeiden und habe ihnen versucht dadurch Mut zu machen, dass es eine Gruppenaufgabe ist, die sie gemeinsam lösen sollen und dass es nur eine richtige Lösung gibt. Es gibt also eine Selbstüberprüfung (es sind mind. zwei falsch, wenn etwas falsch ist).

 

Im Anschluss an das Spiel sollte in meiner Veranstaltung eine Vorstellungsrunde folgen, die habe ich nach der Reihenfolge der Domino-Reihe laufen lassen. Erst die eine Gruppe, dann die andere. Das war ein witziger Moment, weil man nicht wusste, wer sich als nächstes vorstellen wird.

Habt ihr andere Idee wofür und wie man das Domino einsetzen kann?

 

 

3 Kommentar auf “menschliches Domino!
  1. Danke für Deinen Erfahrungsbericht! Bei der Entwicklung von Spielen während des Workshops habe ich schon vermutet, dass Du Dich nicht mur mit der Theorie zufrieden gibst. Was meinst Du, ob das Spiel auch in einer Vorlesung einsetzbar wäre?
    Welche Rückmeldungen hast Du von den Studierenden bekommen?

    • Kirsten Will sagt:

      Ich habe schon zwei Gruppen für das Seminar gewählt, weil mir 25-30 Schilder zu viel erschienen. Wenn man also 6-7 Gruppen erstellt, sollte es gehen.
      Rückmeldung der Studierenden habe ich nicht direkt eingefordert. Mein Eindruck war, dass der Schwierigkeitsgrad genau richtig war, die Studierenden schließlich gut in Kontakt kamen und es nicht zu aufwändig/zeitraubend für den Nutzen war, den ich auf der Ebene der Gruppengestaltung erzielt habe.

  2. Würdest Du das Spiel noch einmal einsetzen, zB im nächsten Semester und wenn ja, evtl. mit welchen Änderungen?

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