In der Öffentlichkeit popelt man nicht in der Nase…

Dieser Satz fiel mir ein, als ich an einen Vergleich zu dem Thema suchte, das mich derzeit umtreibt.

Ich habe den Studierenden meines Seminars „mediengestützes Lernen“ meine Lehrtagebuchadresse gegeben, weil ich zum einen, mir ein bisschen Druck machen wollte, dass ich hier öfter blogge und zum anderen ein Beispiel anbieten möchte, wie so ein E-Portfolio aussehen kann. Seit ich darüber nachdenke, dass nun der Kreis der LeserInnen deutlich größer und heterogener (Lehrende und Studierende) werden könnte, verändert sich mein Blick auf mögliche Themen, die ich blogge.

Gleich geht ein Thema durch den internen Filter: Sollen das auch Studierende von mir wissen? In der Regel entscheidet mein Gehirn, dass das Thema natürlich auch für die Studierenden passt, schließlich handelt es sich hier um Reflexionen und Ideen, die aus der Lehre heraus entwickelt werden und das kann aus meiner Sicht für jeden, ob Student oder Lehrender, bereichernd sein.

Zudem schwingt dann mit, dass ich ein möglichst gutes Beispiel (eigener hoher Anspruch) geben will, wie so ein E-Portfolio aussehen könnte. Das hemmt auf der einen Seite, aber motiviert auch regelmäßig Beiträge zu schreiben.

Und insofern ist der Satz „in der Öffentlichkeit popelt man nicht in der Nase…“ für mich eine gute Methaper dafür, wie sich unser Verhalten und unsere Wahrnehmung verändert, wenn wir uns (von anderen, von vielen) beobachtet fühlen.

 

3 Kommentar auf “In der Öffentlichkeit popelt man nicht in der Nase…
  1. Oliver Tacke sagt:

    „Man“ assoziiere ich mitunter mit dem deutschen Dreisatz: „Das geht nicht; das haben wir noch nie gemacht; da könnt‘ ja jeder kommen.“ Warum popelt man in der Öffentlichkeit nicht in der Nase?

  2. Kirsten Will sagt:

    Natürlich ist es eine gesellschaftliche Norm, die dahinter steckt. Sie kritisch in den Blick zu nehmen und dann neu zu entscheiden, finde ich richtig und wichtig. Im Falle des Nase-Popelns habe ich bspw. entschieden, dass ich es für mich ganz gut finde, es aus der Öffentlichkeit rauszuhalten und es ebenso begrüße, wenn andere es auch so tun. Es ist also schon ein reflektierter Umgang mit dieser Norm.
    Was das Lehrtagebuch angeht, bin ich gerade dabei Erfahrungen zu machen und auszuprobieren, was für mich geht. Mir darüber bewusst zu sein, dass es den Mitlese-Filter gibt, ist für mich der erste Schritt, diese Norm kritisch in den Blick zu nehmen.

    • Oliver Tacke sagt:

      Darum geht es, finde ich: die Normen kritisch zu hinterfragen und dann für sich selbst zu entscheiden. Finde es klasse, dass du das machst und es vor allem praktisch ausprobierst! Meiner eigenen Erfahrung nach werden die „Gefahren“ nämlich oft überbewertet (so in etwa als Dread Risk).

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