Zu „Sträuben gegen Hochschuldidaktik“

Gabi Reinmann hat sich kürzlich mit dem Bild  beschäftigt, das viele mit Hochschuldidaktik verbinden. Oft werden damit nur Methoden in Verbindung gebracht, die in einer Lehrveranstaltung (Warum eigentlich nicht Lernveranstaltung?) genutzt werden können. Dazu gehen mir selbst einige Dinge durch den Kopf.

Heute bei uns

In der Basisqualifizierung von teach4TU haben wir einen Workshop namens Methodenwerkstatt. Es dreht sich darin alles um das Kennenlernen, Erleben und Ausprobieren von Methoden und auch größeren Konzepten, mit denen Lehre gestaltet werden kann. Ist gewissermaßen ein Selbstläufer. Ich habe immer das Gefühl, hier können wir wenig falsch machen, weil genau die Erwartungen unserer TeilnehmerInnen getroffen werden. Bei uns im Programm ist diese Methodenwerkstatt allerdings nicht der erste Workshop, ganz bewusst nicht. Es gibt vorher einen, in dem grundsätzlich die Gestaltung von Lehre und die eigene Rolle als Lehrperson thematisiert werden. Mein Bauchgefühl sagt mir, ganz rund ist auch das noch nicht. Die Rückmeldungen unserer TeilnehmerInnen nach dem ersten Halbjahr beziehen sich aber meist gar nicht auf Methoden. Viel häufiger hören wir, durch die Basisqualifizierung fühlten sie sich in ihrer Lehre vor allem sicherer. Das werte ich als Indiz, dass wir zumindest in die richtige Richtung laufen.

Das Thema Methodenfixierung kenne ich bei uns aber auch anderswo, nämlich „oben“. Was wir machten, sei ja alles nett, aber wir bräuchten unbedingt auch etwas für die „grundständige Lehre“. Gemeint sind große Veranstaltungen mit vielen Studentinnen und Studenten. Offenbar wird gar nicht erkannt, dass wir a) auch dazu etwas im Werkzeugköfferchen haben und vor allem, dass wir b) auch jenseits davon viel anbieten. In schönster Regelmäßigkeit wehre ich mich auch gegen die Idee, eine kleine Methodenfibel herauszugeben. Damit soll einerseits für uns geworben werden, andererseits Nicht-TeilnehmerInnen von uns etwas für ihre Lehre an die Hand bekommen. Genau das würde aber die Idee „Hochschuldidaktik = Methodenköfferchen“ befeuern, fürchte ich.

Damals am Lehrstuhl

Als ich noch an einem Lehrstuhl gearbeitet habe, wurde mir ein Fall bekannt, dass tatsächlich jemand zur „Nachhilfe“ verdonnert wurde. Die Evaluationsergebnisse zu seiner Lehrveranstaltung waren so schlecht ausgefallen, dass ihm auferlegt wurde, eine Schulung wahrzunehmen. Was hat er besucht? Eine Methodenwerkstatt bei unseren KollegInnen vom KHN. Als ob das der primäre Weg wäre, um etwas zur Verbesserung der Lehre zu tun… Was kam dabei heraus? Er hat danach tatsächlich davon berichtet, in einer Veranstaltung eine Rakete ausprobiert zu haben. Habe aber nicht gut funktioniert, sei ihm vorher klar gewesen. Seitdem läuft es wie gehabt, ohne Methoden.

Neulich beim Mittagessen

Vor einigen Wochen saßen zwei Kollegen und ich beim Mittagessen mit einem Teilnehmer aus der Basisqualifizierung von teach4TU zusammen. Er war über unser Gespräch etwas verwundert — sprachen wir doch von Forschung in der Hochschuldidaktik. Ihm war völlig neu, dass es sich dabei um eine wissenschaftliche Disziplin handelt, mit Projekten, Aufsätzen, Konferenzen und dem ganzen Schnickschnack. Es kam ein wenig so rüber, als werde Hochschuldidaktik in der Wissenschaftswelt nicht so ernst genommen. Ist mir persönlich auch schnurz, ich brauche den „Nimbus der Wissenschaftlichkeit“ nicht. In Hochschulkreisen hat das aber eine Bedeutung und mag zum „schlechten“ Ruf der Hochschuldidaktik beitragen.

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