Kann/Will/Soll/Darf ich öffentliche Online-Dienste in der Lehre nutzen?

Vor einigen Tagen begann unter einem Post von Jöran Muuß-Merholz eine kurze Diskussion, die ich an dieser Stelle aufgreife, gedanklich weiterspinne und gerne mit euch diskutiere. Es geht um das Nutzen von öffentlichen Online-Diensten in der Lehre. Eure Gedanken dazu interessieren mich.

Dienste wie Dropbox, YouTube, Google Docs oder Facebook sind praktisch. Sie erlauben es, unkompliziert Dateien auszutauschen, Videos zu verbreiten, gemeinsam an Dokumenten zu arbeiten oder sich schlich miteinander abzusprechen. All das kann auch in Lehrveranstaltungen an der Uni nützlich sein. Die Angebote haben allerdings auch Nebenwirkungen. Wer bei einem Dienst nicht angemeldet ist, kann ihn oft nicht oder nur eingeschränkt nutzen. Wer sich aber anmeldet, zahlt womöglich kein Geld, aber stattdessen mit der Preisgabe persönlicher Daten und persönlichen Verhaltens. Hinzu kommt, dass die ausgetauschten Inhalte auf fremden Servern liegen, über die man keine Kontrolle hat und die womöglich nicht ganz so charmanten gesetzlichen Regeln unterliegen.

Ein Ausweg könnte es sein, Alternativen selbst zu entwickeln. Das Austauschen von Dateien ist beispielsweise kein Hexenwerk, und für meine privaten Daten habe ich mir selbst auch einen Dropbox-Klon gebaut. An der Uni stellt sich allerdings die Frage, wer das macht. Do-It-Yourself ist nicht jedermanns Sache, und ein zentrales Angebot für alle hätte durchaus seine Vorzüge. In den trägen Strukturen der Hochschulwelt dürfte sich dieses Vorhaben jedoch zu einem Passierschein-A38-Himmelfahrtskommando entwickeln oder so lange dauern, dass die Lösung schon wieder veraltet ist.

Also doch Angebote aus dem Netz nutzen? Durchaus denkbar. Hier plädiere ich allerdings dafür, den Lernenden die Lösung nicht vorzuschreiben! Wenn jemand beispielsweise Bedenken gegenüber Facebook hat und die Plattform nicht nutzen möchte, sollte nicht dazu gezwungen werden, nur weil der Lehrende darüber gerne seine Veranstaltungen abwickelt. Sollte das dennoch feststehen:  Vorher transparent über den Kurs informieren und gegebenenfalls Alternativen anbieten. Das kann eine individuelle Abwicklung sein oder schlicht die Möglichkeit, einen anderen Kurs zu besuchen. Genau so lief es bei meinen öffentlichen Wiki-Seminaren — wem das zu gewagt erschien, konnte weitere „normale“ Seminare wählen.

Selbst dann, wenn Lehrende und Studierende sich vollkommen einig sind und die Vorzüge von YouTube und Co. bereitwillig nutzen würden, kann ihnen von „oben“ ein Strich durch die Rechnung gemacht werden. Es wird schlicht verboten. Es könnte ja dieses und jenes passieren. Nein. Basta. Exakt dieser Punkt ist es, der mich ärgerlich werden lässt. Es ist die Bevormundung, die nicht den Lehrenden und Lernenden die Entscheidung über die Wahl der Mittel überlässt, sondern pauschal Dinge verteufelt und untersagt.

Welche Gedanken gehen euch dazu durch den Kopf?

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