Maßnahmen für ein sprachbarrierefreies Lehren

_MG_4406 Mit Hilfe der Erfahrungen der Sprachcoaches konnte die hochschuldidaktische Handreichung „Diskussionspapier Lehre ohne Sprachbarrieren“– angelehnt an das „Diskussionspapier Gute Lehre“ verfasst werden und listet einfache Maßnahmen für Dozierende auf, mit denen Lernbarrieren für fremdsprachige Studierende gesenkt werden können. Dieser Katalog besteht aus 10 Punkten, die in Zukunft erweiterbar sind. Diese sind als Handlungsempfehlungen für Lehrende zu verstehen, die nicht-deutschmuttersprachliche Studierende in ihren Lehrveranstaltungen betreuen.

Kooperationspartner

Diskussionspapier 1.0
„Studieren ohne Sprachbarrieren“
Handlungsempfehlungen für Lehrende der TU Braunschweig
zur Verbesserung der Lehre für fremdsprachige Studierende

1) Eine deutliche Aussprache und ein reduziertes Sprechtempo unterstützen das Hörverstehen
Verstehendes Hören stellt eine große Herausforderung in Lehrveranstaltungen dar. Oft wird weniger als 30 Prozent des Gesprochenen verstanden. Undeutliches, leises Sprechen oder eine hohe Sprechgeschwindigkeit erschwert das Hörverstehen zusätzlich. Auch dialektale Aussprache kann zu Irritationen führen, dem Gesagten zu folgen. Die Identifikation von auditiven Signalen mit Bedeutung ist bei fremdsprachigen Studierenden eine aufwendige kognitive Leistung. Wiederholungen und langsame Sprechgeschwindigkeit sind bei relevanten Inhalten sinnvoll und werden nicht nur von internationalen Studierenden begrüßt.

2) Eine eindeutige Handschrift vermeidet Missverständnisse
Besonders fremdsprachigen Studierenden, die in einem anderen Schriftsystem heimisch sind, fällt es oft schwer, schriftliche Darstellungen ihrer Lehrenden zu entschlüsseln. Sie können diese Herausforderung vermeiden, indem Sie Ihre Inhalte in einer Präsentation/Skript etc. verschriftlichen und/oder auf deutliche Handschrift achten.

3) Visualisierungen unterstützen den kognitiven Lernprozess
Die Folgen der Flüchtigkeit des Gesprochenen können durch Visualisierungen entlastet werden. Begleitendes Bildmaterial verhindert den Abbruch des Hörverstehens beim Nichtverstehen einzelner Wörter und hilft beim Wiedererkennen von Wörtern und Wendungen. Das Verbinden von auditiven Informationen mit visuellen Darstellungen erhöht die kognitive Kapazität und damit auch den Lerneffekt. Die Behaltensleistung erhöht sich bei Versprachlichung eines Bildes und umgekehrt.

4) Die relevanten Begriffe/Termini einer Einheit festhalten
Es hat sich bewährt, die wichtigen und prüfungsrelevanten Begriffe einer Einheit (Vorlesung, Seminar, Übung) für die Studierenden zusammenzufassen. Dies können z.B. Fachbegriffe, Termini, Symbole, Theoriebezeichnungen sein. Maximal zehn Lernbegriffe pro Unterrichtseinheit sind dabei empfehlenswert und kann als Glossar angelegt werden.

5) Klare und einheitliche Arbeitsanweisungen
Arbeitsanweisungen erfolgen meist in imperativischer Form (Berechnen Sie! Ermitteln Sie! Begründen Sie! etc.). Stellen Sie sicher, dass Ihren Studierenden klar ist, welche Handlungsmuster sich hinter den einzelnen Arbeitsanweisungen verbergen und wie diese angewendet werden müssen. Hilfreich ist auch hier eine einheitliche Verwendung der Verben, die Handlungsaufträge beschreiben.

6) Komplexe Definitionen sprachlich vereinfachen
Definitionen sind sprachlich komprimierte und damit auch sprachlich komplizierte Konstrukte. Kennzeichnend ist eine große Anzahl von Wörtern noch vor dem ersten Verb. Sie können diesen für die deutsche Wissenschaftssprache bekannten Nominalstil vereinfachen, indem Sie z.B. aus einem langen Satz zwei bis drei kurze Sätze formulieren. Das ist dann zwar etwas länger, aber nicht weniger wissenschaftlich. Es reicht aus, wenn maximal drei Wörter vor dem Verb des Satzes stehen. Diese Reduktion der sprachlichen Komplexität ist für mündliche und schriftliche Fachkommunikation empfehlenswert.

7) Einheitliche Notation griechischer Buchstaben
Griechische Buchstaben sind vielen internationalen Studierenden oft nicht hinreichend bekannt. Hier ist es wichtig, die Notationen zu vereinheitlichen und mit Übungsleitern abzusprechen.

8) Kooperative Lernformen fördern
Es hat sich in kleinen Übungen als praktikabel erwiesen, international heterogene Gruppen zu bilden. Sie können darauf achten, dass Sie z.B. bei einer Gruppenarbeit von drei Personen auch immer eine(n) fremdsprachige(n) Studierende(n) zuordnen, um die Kommunikationsmöglichkeit für diese(n) zu erhöhen.

9) Fachkommunikation als Training-on-the-Job verstehen
Gute Deutschkenntnisse ermöglichen einen adäquaten allgemeinen und fachlichen Austausch. Ohne diese ist es unmöglich, für den deutschen Arbeitsmarkt in mittelständischen Unternehmen attraktiv zu sein. Sie können die Kommunikationsfähigkeit Ihrer fremdsprachigen Studierenden fördern, indem Sie fachliche und allgemeine Kommunikationssituationen schaffen. Diese haben das Ziel, (Fach-)Sprache ungezwungen anzuwenden und einzuüben.

10) Lächelnde und gesprächsbreite Dozierende schaffen eine angstfreie Lernatmosphäre
Positive nonverbale Signale und eine empathische Haltung der Lehrenden unterstützen das lernförderliche Klima. Das Lächeln ist in vielen Kulturen, ganz besonders in süd-ost-asiatischen Kulturkreisen, nicht nur ein Signal der Offenheit und Integration, sondern auch ein Ausdruck der inneren Haltung. Die emotionale Anteilnahme des Lehrenden im Lernprozess fördert nachweislich den Lernerfolg der Studierenden.

Unterschriften

Hier geht es zur Pdf „Diskussionspapier Lehre ohne Sprachbarrieren„.

Herzlich Willkommen

sos

Ich begrüße Sie auf dem E-Portfolio der Veranstaltung “Studieren ohne Sprachbarrieren”. Als Sprachcoach haben Sie hier die Möglichkeit, ihre Erfahrungen in den Lerntreffs zu dokumentieren und weitergehende Materialien auch anderen zur Verfügung zu stellen.

Nach Anmeldung mit den Zugangsdaten ist hierfür unter dem Reiter “Sprachcoaches” für jeden Teilnehmer ein eigene Seite reserviert, die mit eigenen Inhalten zu füllen ist. Diese Inhalte können untereinader eingesehen werden, jedoch beziehen sich die Schreibrechte ausschließlich auf den eigenen Bereich.

In diesem Sinne wünsche ich viel Erfolg und freue mich auf eine gute Zusammenarbeit.

Viele Grüße

Samuel